Programmhinweis

Nächstes Konzert am 27.04. um 19.00 Uhr:

Jerusalem International Chamber Music Festival

Michael Barenboim & Mohamed Hiber – Violinen
Adrien La Marca – Viola
Ivan
Karizna – Violoncello
Juliane Banse – Sopran
Pablo
Barragán – Klarinette
Elena Bashkirova – Klavier


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W. A. Mozart
(1756 – 1791)

Trio Es-Dur KV 498
für Klavier, Klarinette und Viola
„Kegelstatt-Trio“

I. Andante
II.
Menuetto
III.
Rondeaux: Allegretto

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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Aribert Reimann (1936 – 2024)

… oder soll es Tod bedeuten“
Acht Lieder und ein Fragment
nach Gedichten von Heinrich Heine

Leise zieht durch mein Gemüt, op. 19a,5
Intermezzo I

Der Herbstwind rüttelt die Bäume op. 34,6
Intermezzo II

Über die Berge steigt schon die Sonne op. 47,2
Intermezzo III

Auf Flügeln des Gesanges op. 34,2
Intermezzo IV

Was will die einsame Träne 1. und 2. Strophe

In dem Mondschein im Walde op. 19a,4

Was will die einsame Träne, 3. Strophe
„Ach meine Liebe selber…“

Intermezzo V

Allnächtlich im Träume op. 86,4

Mein Liebchen, wir saßen beisammen
Intermezzo VI

Warum sind denn die Rosen so blass (Fragment)

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PAUSE

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Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809 – 1847)
3 Stücke für Klavier, arrangiert für Klarinette, Violoncello und Klavier

I. Praeludium As-Dur op. 35,4
 
II. Lied ohne Worte Es-Dur op. 53,2
 
III. Lied ohne Worte (Duett) As-Dur op. 38,6

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W. A. Mozart
(1756 – 1791)

Quartett g-Moll KV 478
für Klavier, Violine,
Viola und Violoncello


I. Allegro
II. Andante
III. Rondo. Allegro moderato

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Konzertdauer:

50 Min. I Pause I 36 Min.

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Wechselnde Lichtstimmungen: Mozart, Mendelssohn, Reimann

Dass Wolfgang Amadeus Mozart sein Es-Dur-Trio KV 498 als Nebenbeschäftigung beim Kegeln komponiert haben soll, gehört wohl ins schöne Reich der Anekdoten. Interessanter als der Entstehungsmythos dieses als „Kegelstatt-Trio“ bekannt gewordenen Werkes ist seine Besetzung und das, was Mozart daraus macht: Klarinette, Viola und Klavier treffen in einem gleichberechtigten Konversationstonfall aufeinander, der bei aller Entspanntheit nie belanglos wird. Das dreisätzige Trio gipfelt in einer Rondoform, die das ganz aus der Sanglichkeit des Klarinettentons heraus erfundene Hauptthema in einem immer wieder neuen Licht erscheinen lässt.

In ein neues Licht stellen: Das könnte auch als Motto über dem Zyklus „… oder soll es Tod bedeuten“ stehen. Der kürzlich verstorbene Komponist Aribert Reimann, der als Pianist bedeutende Liedinterpreten begleitet hat, bearbeitete 1996 acht Heine-Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy für Sopran und Streichquartett und verband diese durch sechs Intermezzi miteinander. Als „Reflexionen in meiner musikalischen Sprache über ein bereits gehörtes oder folgendes Mendelssohn-Lied“ hat Reimann diese fein ausgehörten Zwischenspiele bezeichnet. Juliane Banse, die wir heute mit diesem Zyklus hören, war eine der Widmungsträgerinnen des Werkes und hat es 1997 auch uraufgeführt.

Eine von Mendelssohns vielen Stärken war die Gabe, lyrische Stimmungen in quasi erzählenden Klavierminiaturen einzufangen. Ebenso auf den Punkt wie die Stücke selbst ist die Gattungsbezeichnung, die er dafür erfand: „Lieder ohne Worte“. Zwei dieser Kleinodien hat Ernst Naumann für Klarinette, Violoncello und Klavier arrangiert und mit einem eröffnenden Präludium aus Opus 35 zu einem dreisätzigen Zyklus zusammengefasst. Ganz natürlich teilen sich hier die Melodieinstrumente die kontrapunktisch verwobenen Oberstimmen des originalen Klaviersatzes. Die abschließende Nummer 6 aus Opus 38 wiederum ist schon von Mendelssohn als „Duett“ konzipiert und bezeichnet worden; sie kann somit wunderbar von Klarinette und Cello „gesungen“ werden.

Eine schroffe Geste steht am Beginn von Mozarts g-Moll-Klavierquartett KV 478. Vom ersten Takt an scheint der Komponist keinen Zweifel aufkommen lassen zu wollen: Dies ist keine gefällige Massenware für entspannte Musizierstunden daheim, sondern anspruchsvolle Konzertmusik. Diese Kompromisslosigkeit schlug sich seinerzeit leider auch in den Verkaufszahlen nieder. So wusste Mozarts Biograph Georg Nikolaus Nissen zu berichten, dass „daher der Verleger Hoffmeister dem Meister den vorausbezahlten Theil des Honorars unter der Bedingung schenkte, dass er die zwey anderen accordirten Quartette nicht schrieb und Hoffmeister seines Contractes entbunden wäre“. Wie eine fixe Idee durchzieht das Hauptthema und sein Rhythmus den ersten Satz, der unter einer beinahe permanenten Spannung zu stehen scheint. Das melancholisch-versonnene, zunächst im Klavier vorgestellte erste Thema des Andante gehört dann zu den magischen Melodiemomenten Mozarts, das Rondo sprudelt nur so über vor herrlichen Einfällen und immer neuen Wendungen.

Als Nissen in den 1820er Jahren sein Buch schrieb, waren die Hörgewohnheiten übrigens schon weiter. Verglichen mit der Musik dieser Zeit kam ihm Mozarts Klavierquartett so vor, „als wenn man aus einem chaotischen Gewirre, aus dichter Finsterniss ins Licht und in eine heitere Ordnung versetzt würde“.

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Michael Barenboim

„In dem Moment, in dem du einen schönen Klang schaffst, hat sich jede Mühe gelohnt.“

Dieser Satz von Michael Barenboim (*1985) ist eine Bilanz seines bisherigen künstlerischen Wegs. Solist und Kammermusiker an Violine und Viola, Ensemblegründer, Konzertmeister des West-Eastern Divan Orchestra, und Professor an der Barenboim-Said Akademie: In Barenboims Arbeit stehen Vielseitigkeit und Kreativität im Vordergrund.

Seit seinem Durchbruch als Solist mit Schönbergs Violinkonzert unter der Leitung von Pierre Boulez im Jahr 2011 ist Michael Barenboim fest verankert im internationalen Konzertgeschehen und musiziert seither mit herausragenden Kollegen, darunter die Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim, das Chicago Symphony Orchestra unter Asher Fisch, das Israel Philharmonic unter Zubin Mehta, die Berliner Philharmoniker unter Vasily Petrenko und das Los Angeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel. Weiterhin arbeitete er als Solist mit Klangkörpern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Orchestre Philharmonique du Luxembourg, Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Filarmonica della Scala, Philharmonia Orchestra London, Tonhalle-Orchester Zürich, Academy of St Martin in the Fields, Orchestre de Paris und dem Spanischen Nationalorchester.

Solo-Rezitale führen Michael Barenboim regelmäßig in die bekanntesten internationalen Säle und zu renommierten Konzertreihen. So konzertierte er in der Wigmore Hall London, der
Elbphilharmonie Hamburg, im Sydney Opera House, im Teatro di San Carlo in Neapel und beim Lucerne Festival. Mit ausgesuchten Werken von Pierre Boulez gastierte er an der Berliner
Philharmonie, der Carnegie Hall, dem Konzerthaus Dortmund, dem Barbican Centre London, an der Opéra national de Paris und bei den Salzburger Festspielen.

In der Saison 2023/24 wird Michael Barenboim unter anderem beim Tsinandali Festival zu erleben sein, außerdem konzertiert er mit dem Brussels Philharmonic Orchestra und ist zu Gast im Konzerthaus Wien. Ausgedehnte Tourneen führen ihn, unter anderem mit dem West-Eastern Divan Ensemble, nach Italien, England, Deutschland und Südamerika. Im Boulez Saal Berlin wird der Geiger Bergs Kammerkonzert mit Thomas Guggeis und dem Boulez Ensemble zu Gehör bringen. Und als Solist an der Bratsche interpretiert er erneut gemeinsam mit Geigerin Anne Sophie Mutter Mozarts Concertante: Nach dem großen Erfolg beim Kölner Kammerorchester in der letzten Saison nun mit den Wiener Philharmonikern.

Kammermusik nimmt nicht erst seit der Gründung seines West-Eastern Divan Ensembles Anfang 2020 einen großen Teil von Michael Barenboims Konzerttätigkeit ein. Das mit ausgewählten Mitgliedern des West-Eastern Divan Orchestra besetzte Ensemble unternahm unter seiner Leitung bereits sehr erfolgreiche Tourneen durch Asien, Nordamerika und Europa. Daneben konzertiert er kammermusikalisch beim Jerusalem Chamber Music Festival, beim Verbier Festival, bei intonations, im Beethovenhaus Bonn, im Mendelssohn-Haus Leipzig, in der Philharmonie de Paris sowie im Wiener Musikverein. Zu seinen regelmäßigen Partner zählen dabei Pinchas Zukerman, Daniel Hope, Elena Bashkirova, Kian Soltani, Daniel Barenboim, Jörg Widmann und andere.

Michael Barenboim ist der tiefen Überzeugung, dass sich im Kosmos der Musik überall Herausforderungen finden lassen, deren Bewältigung neue Perspektiven auf unbekannte und bekannte Stücke gleichermaßen eröffnen. Deshalb beschäftigt er sich intensiv mit zeitgenössischer Musik: Die Interpretation der Werke des 20. und 21. Jahrhunderts spielt in seiner Arbeit sowohl solistisch mit Orchester (Widmann, Dutilleux, Ligeti) als auch im Kammermusikalischen eine große Rolle. Michael Barenboim brachte bereits zahlreiche neue Kompositionen zur Uraufführung, darunter Werke von Jörg Widmann, Kareem Roustom, Matthias Pintscher und anderen.

Doch nicht nur das Zeitgenössische findet Raum im Wirken des Musikers: Michael Barenboim hält seinen musikalischen Geist gerne mit Musik unterschiedlichster Epochen wach. Neben den vielfältig gestalteten Konzertprogrammen zeugen auch seine CD-Einspielungen von diesem Drang der ständigen Erneuerung. Auf seinen letzten Alben für Accentus widmete er sich Werken von Bach, Bartók, Boulez, Tartini, Berio, Paganini und Sciarrino. Zusätzlich erschienen zwischen 2018 und 2020 bei Deutsche Grammophon die Klavierquartette und -trios von Mozart sowie die gesamten Beethoven-Klaviertrios gemeinsam mit Kian Soltani und Daniel Barenboim.

Im September 2023 veröffentlicht Michael Barenboim eine Aufnahme von Elgars Violinkonzert mit dem Philharmonia Orchestra London unter der Leitung von Alessandro Crudele bei Linn Records. Beim selben Label folgen im Frühjahr 2024 Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ in einer Bearbeitung von Ferdinand David mit Natalia Pegarkova-Barenboim am Klavier.

Unterrichten bedeutet für Michael Barenboim nicht nur, die perfekte Technik am Instrument zu vermitteln; ihm liegt insbesondere auch die universelle Bildung seiner Studierenden an der Barenboim-Said Akademie in verschiedenen Geisteswissenschaften am Herzen. Nach längerer Lehrtätigkeit und dem Vorsitz der Kammermusik-Abteilung hat er aktuell eine Professur für Violine und Ensemblespiel inne. Zwischen 2020 und 2024 war er Dekan der Barenboim-Said Akademie.

Mohamed Hiber

“ Ein frühbegabter, intelligenter Musiker mit außerordentlichen musikalischen Gaben: Mohamed Hiber ist ein sehr talentierter Geiger.“ (Le Figaro, Paris)

Mohamed Hiber, der 1995 in Pantin in der Nähe von Paris geboren wurde, ist ein herausragender Solist, enthusiastischer Kammermusiker und gefragter Konzertmeister.

Er steht seit langem in enger Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim und Anne-Sophie Mutter, zwei der größten Musiker:innen der Welt. Als Konzertmeister des West-Eastern Divan Orchestra seit 2019 (und Mitglied desselben seit 2010) tritt er unter der Leitung von Daniel Barenboim auf und gibt Konzerte auf der ganzen Welt mit Anne-Sophie Mutter.

Seit 2020 ist Mohamed Hiber Stipendiat der Anne-Sophie Mutter Stiftung. Herr Hiber nimmt regulär Einladungen als Gast-Konzertmeister bei der Münchner Philharmonie, den Wiener Symphonikern, dem London Philharmonia Orchestra und dem Orchestra de Paris war. Als Solist ist Mohamed Hiber mit dem London Symphony Orchestra, der Tschechischen Philharmonie, der Philharmonie Südwestfalen, der Philharmonie Baden-Baden, dem MDR Sinfonieorchester, dem Danubian Orchestra, dem Königlichen Kammerorchester der Wallonie
und dem Gstaad Festival Orchestra aufgetreten.

Er kollaboriert regelmäßig mit berühmten Dirigenten wie Nabil Shehata und Marie Jacquot, Frank Braley und Robert Farkas, András Schiff und Neeme Järvi. Als begeisterter Kammermusiker arbeitet Mohamed Hiber häufig mit Daniel Barenboim, Anne Sophie Mutter, Elena Bashkirova, Yuri Bashmet, Gautier Capuçon, Martha Argerich, Frank Braley, Khatia Buniatishvili, Gérard Caussé, Kian Soltani, Daishin Kashimoto, Maxim Rysanov, Mihaela Martin, Frans Helmerson, François Leleux, Nabil Shehata, Boris Brovtsyn, Itamar Golan, Frédéric Guy, Alexandre Tharaud, Amihai Grosz, Edgar Moreau und Pascal Moragues zusammen.

Mit diesen Musiker:innen tritt Mohamed Hiber in den wichtigsten Kammermusikreihen der Welt auf, so zum Beispiel beim Luzern Festival, dem Beethovenfest in Bonn, dem Intonations Festival
in Berlin, den Salzburger Festspielen, dem Jerusalem International Chamber Music Festival, dem Rolandseck Festival, der Kammermusikreihe des Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark und dem Osterfestival in Aix-en-Provence.

Mohamed Hiber studierte bei Ana Chumachenco ab 2013 Geige, zunächst an der Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid und dann an der Münchner Musikhochschule, wo er
2020 seinen Master-Abschluss erwarb.

Gegenwärtig spielt Mohamed Hiber auf einer herausragenden Geige – der “Ex Lidka”, gebaut im Jahr 1780 in Turin von Giovanni Battista Guagagnini. Das Instrument wurde Herrn Hiber durch eine großzügige Leihgabe der Stretton Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Zudem spielt Herr Hiber einen Bogen gebaut von Jacob Eury; eine generöse Leihgabe seines Sponsors Walter Schatt.

Adrien La Marca

Von der Financial Times wurde er als „wahrhaft reines Talent“ gewürdigt, Le Monde nannte ihn gar einen „Helden“: Adrien La Marca schöpft mit großer Ausdruckskraft und technischer Meisterschaft aus den reichen, tiefgründigen Farben seines individuellen Klangs. Mit seiner charismatischen Bühnenpräsenz stellt er eine unmittelbare emotionale Verbindung zum
Publikum her.

Als Solist arbeitete der Bratscher mit renommierten Klangkörpern wie dem Orchestre National de France, dem Orchestre Philharmonique de Radio France, dem MDR-Sinfonieorchester, dem
Nationalen Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks, der Hong Kong Sinfonietta, dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège (Artist-in- Residence 2018/19), dem Insula Orchestra,
dem Orchestre national du Capitole de Toulouse, dem Orchester Les Siècles und dem Orchestre de Metz zusammen.

Dem wichtigen französischen Musikpreis Victoires de la Musique galt Adrien La Marca 2014 als „Entdeckung des Jahres“. Seitdem hat er in Konzertsälen und auf Festivals weltweit reüssiert,
darunter die Philharmonie de Paris, das Barbican Centre London, die Wigmore Hall, das Concertgebouw Amsterdam, das Konzerthaus Berlin, der Wiener Musikverein, das Auditorium du Louvre, Schloss Elmau, das Théâtre des Champs-Elysée, die Salle Gaveau, das Festival de Pâques Aix-en-Provence, La Folle Journée, die Salzburger Festspiele, das Jerusalem International Chamber Music Festival, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und die Schubertiade Schwarzenberg und Hohenems.

Der Fernsehsender Arte stellte ihn 2016 im Rahmen der Reihe „Stars von morgen“, präsentiert von Rolando Villazón, einem breiten Publikum vor. Im gleichen Jahr erschien auf dem Label La
Dolce Volta sein erstes Album English Delight, das in Publikationen wie The Strad, Gramophone, Strings Magazine, Le Monde, Le Figaro, Diapason und Classica begeistert rezensiert und mit
mehreren Preisen wie dem Diapason d’Or ausgezeichnet wurde. Sein aktuelles Album HEROES mit dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège, erschienen 2020, umfasst das Bratschenkonzert von William Walton, die Ersteinspielung eines von Gwenaël Mario Grisi für ihn komponierten Bratschenkonzertes und – erstmals in einer Fassung für Solobratsche und
Orchester aufgenommen – Prokofjews Romeo und Julia. Auch diese Aufnahme überzeugte die Presse: „Eine definitiv zeitgenössische Version des Walton Konzertes“ (L’Obs), „eine berührend
lyrische aber gleichzeitig authentische Interpretation“ (Le Figaro, Album des Jahres 2020), „La Marca und seine Viola bilden ein heroisches Paar“ (Diapason 5), „mehr als ein Wunderknabe –
La Marca ist ein Violaprinz“ (La Croix).

Geboren 1989 in Aix-en-Provence als Kind einer Musikerfamilie begann Adrien La Marca als Vierjähriger mit dem Klavier- und Bratschenspiel. Mit 16 Jahren wurde er am Pariser Conservatoire aufgenommen, wo er bei Jean Sulem studierte. Als Schüler von Tatjana Masurenko in Leipzig und Tabea Zimmermann in Berlin rundete er sein Studium ab. Während seiner musikalischen Ausbildung wurde er regelmäßig zur Teilnahme an verschiedenen Musikakademien eingeladen und hatte die Möglichkeit, mit Musikern wie Seiji Ozawa, Valery Gergiev, Gidon Kremer, Sir András Schiff und Menahem Pressler zusammenzuarbeiten.

2016 erhielt er als erster klassischer Musiker das angesehene Stipendium der Fondation Lagardère. Adrien La Marca ist zudem Preisträger der Fondation Banque Populaire und wird von der
Fondation l’Or du Rhin und der Fondation Safran unterstützt. Er gewann zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben, darunter der William Primrose-Wettbewerb, der Lionel-Tertis-Wettbewerb und der Johannes-Brahms-Wettbewerb.

Adrien La Marca spielt eine Bratsche von Nicola Bergonzi, hergestellt 1780 in Cremona.

Ivan Karizna

Ivan Karizna ist einer der ungewöhnlichsten und ausdrucksstärksten Musiker der jungen Generation, der gleichermaßen für seine poetischen Interpretationen und seine beeindruckend kraftvolle Bühnenpräsenz bekannt ist. Sein Spiel wurde von lebenden Legenden der Musikwelt wie Andras Schiff, der Ivan als „einen der besten Cellisten seiner Generation“ bezeichnete, und Gidon Kremer, der einmal feststellte: Ivan hat durch die Musik etwas Besonderes zu sagen.

Ivan entstammt zwei unterschiedlichen Spielschulen. 1992 in Belarus geboren, wurde er bis zum Alter von 17 Jahren in der traditionellen russischen Schule erzogen. Nach seiner Aufnahme am Pariser Konservatorium setzte er seine Studien fort und war in diesen Jahren Preisträger des Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau, des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs in Brüssel, der Guilermina Suggia in Porto und vieler anderer Wettbewerbe.

In den letzten Spielzeiten war Ivan Karizna Solist des Stuttgarter Kammerorchesters, des Radiosinfonieorchesters Frankfurt, des MDR-Sinfonieorchesters Leipzig, der Brüsseler Philharmoniker, des Chamber Orchestra of Europe, des Montreal Symphony Orchestra, des National Symphony Orchestra of Ukraine und anderer. Er arbeitete mit Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Stephane Deneve und Juraj Valcuha zusammen. Im Januar 2023 gab Ivan sein viel gelobtes Debüt im Concertgebouw in Amsterdam, als er Truls Mork im Dvorak-Konzert mit dem Netherlands Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Markus Poschner ersetzte.

Als begeisterter Kammermusiker arbeitet er häufig mit Musikern wie Clara Jumi Kang, Amihai Grosz, Elena Bashkirova, Gerard Causse, Boris Brovtsyn, Enrico Pace, Olli Mustonen, Liza Fershtman, Andrei Korobeinikov, Alena Baeva, Vadym Kholodenko, Mate Bekavac und anderen zusammen.

Ivan Karizna spielt das Tassini-Cello von 1760, ehemals Paul Tortelier, eine großzügige Leihgabe eines Mitglieds der Stretton Society.

2016-2020 studierte er an der Kronberg Academy bei Frans Helmerson. Das Studium wurde ermöglicht durch das Dettmer/Storch-Patronat. Im Jahr 2018 war er aktiver Teilnehmer der Kronberg Academy Cello Meisterkurse, wo ihm das Boris Pergamenschikow-Stipendium verliehen wurde. 2020-2023 war Ivan Karizna Fellow der Kronberg Academy.

Juliane Banse

Wenige Künstler:innen ihrer Generation sind auf so vielen Gebieten mit verschiedenstem Repertoire so erfolgreich wie die Sopranistin Juliane Banse. Ihr Opernrepertoire reicht von der Feldmarschallin, Figaro-Gräfin, Fiordiligi, Donna Elvira, Vitellia über Genoveva, Leonore, Tatjana, Arabella bis hin zur Grete (Schrekers Der ferne Klang).

Ihren künstlerischen Durchbruch erlangte sie bereits 20-jährig als Pamina an der Komischen Oper Berlin in einer Produktion von Harry Kupfer. Unvergessen ist auch ihr Auftritt an der Oper Zürich als Schneewittchen bei der Uraufführung der gleichnamigen Oper von Heinz Holliger, mit dem sie seit jeher eine enge Zusammenarbeit verbindet.

Die in Süddeutschland geborene und in Zürich aufgewachsene Künstlerin nahm zunächst Unterricht bei Paul Steiner, später bei Ruth Rohner am Opernhaus Zürich und vervollständigte dann ihre Studien bei Brigitte Fassbaender und Daphne Evangelatos in München. Sie unterrichtet als Professorin am Mozarteum in Salzburg und ab dem Wintersemester 2023 übernimmt sie die Leitung der Escuela Reina Sofia in Madrid. Außerdem gibt sie Meisterkurse im In- und Ausland und ist gefragtes Jury-Mitglied bei internationalen Wettbewerben.

Im Konzertbereich ist die Künstlerin mit einem weit gefächerten Repertoire unterwegs, welches sie mit namhaften Dirigent:innen zusammengeführt hat, u.a. mit Lorin Maazel, Riccardo Chailly, Bernard Haitink, Franz Welser-Möst, Marin Alsop, Zubin Mehta und Manfred Honeck. So schrieb ihr zuletzt Manfred Trojahn die Kammermusikfassung des Werks 4 Women from Shakespeare auf die Stimme.

In São Paulo führte sie im Juni 2022 unter Leitung von Heinz Holliger dessen Komposition Dämmerlicht auf, im September 2022 seine Komposition Puneigä in Genf. Im Februar 2024 gastiert Juliane Banse in der Kölner Philharmonie mit dem WDR Rundfunkchor unter der musikalischen eitung von Christoph Poppen. Liederabende und Kammermusik sind seit jeher fester Bestandteil des Kalenders. Beim International Oxford Song Festival tritt Juliane Banse im Oktober 2023 mit ihrem gefragten Projekt Winterreise, gesungen und getanzt von Juliane Banse (gemeinsam mit
dem Tänzer István Simon) und am Klavier begleitet von Alexander Krichl, in der Choreographie von Andreas Heise, auf.

Im Opernbereich stand Juliane Banse zuletzt in Köln in der Wiederaufnahme von Walter Braunfels’ Jeanne d’Arc in der Titelpartie und in Zürich in der Uraufführung der Oper Lunea von Heinz Holliger auf der Bühne. Außerdem sang sie in Strauss‘ Rosenkavalier erstmals die Marschallin, seit Jahren eine Wunschpartie der Künstlerin. Die Hauptrollen im Monodrama THE TELL-TALE HEART des niederländischen Komponisten Willem Jeths im Concertgebouw, in Grigori Frids Tagebuch der Anne Frank am Theater an der Wien, in Poulencs Mono-Oper La Voix humaine an der Staatsoper in Berlin sowie der Oper Köln und Elsa von Brabant in Wagners Lohengrin in Nantes und Anger sind erwähnenswerte Engagements. In den USA war sie zuletzt als Rosalinde (Fledermaus) in Chicago und in Strauss‘ Arabella (Zdenka) an der MET in New York zu erleben. In der Saison 23/24 steht die Uraufführung des Kammerspiels Septembersonate (als Alice Stavert) von Manfred Trojan unter der Leitung von Vitali Alekseenok (Regie Johannes Erath) an der Deutschen Oper am Rhein/Düsseldorf an.

Zahlreiche CD-Einspielungen der Künstlerin sind preisgekrönt, gleich zwei erhielten den Echo Klassik: Braunfels‘ Jeanne d’Arc mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Manfred Honeck (Welt-Ersteinspielung des Jahres) und Mahlers 8. Sinfonie mit dem Tonhalle Orchester Zürich unter David Zinman. Im Februar 2017 erschien ihre von den Medien viel gelobte CD Unanswered Love mit teils erstmals eingespielten und ihr gewidmeten Werken von Reimann, Rihm und Henze, die sie mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und Christoph Poppen herausgebracht hat. Mit dem Münchner Rundfunkorchester spielte sie die CD Im Arm der Liebe mit Werken von Braunfels, Korngold, Marx und Pfitzner ein. Hindemiths Marienleben ist ein Werk, das der Künstlerin besonders am Herzen liegt und das sie zusammen mit Martin Helmchen auf CD herausgebracht hat.

Von den Projekten der letzten Spielzeiten erschienen Holligers Luena mit Christian Gerhaher (Label: ECM) und Hindemiths Cardillac beim Label BRKlassic auf CD.

Pablo Barragán

„An diesem Abend war es Pablo Barragán, der in seinen Bann schlug. Neben seiner in allen Belangen perfekten Spielweise, war es gerade seine beseelte Tongebung, die in Atem hielt.“ (Westdeutsche Zeitung).

Der Klarinettist Pablo Barragán ist bekannt für seinen raffinierten Klang, gepaart mit hohem technischem Können, Bühnencharisma und einer grenzenlosen Neugierde für die
programmatische Gestaltung seiner Auftritte.

Pablo bekam seine Ausbildung am Konservatorium von Sevilla bei Antonio Salguero und bei Matthias Glander an der Fundación Barenboim-Said in Sevilla. Er ist unter anderem Gewinner
des Prix Crédit Suisse Jeunes Solistes 2013. Er hat mit Orchestern wie dem Bruckner Orchester Linz, dem Barcelona Symphony Orchestra, den Hamburger Symphonikern, dem Orquesta Sinfónica de Radio Televisión Española und der Slowakischen Philharmonie unter Dirigenten wie Anja Bihlmaier, Thomas Dausgaard, Daniel Raiskin und Zsolt Hamar zusammengearbeitet.
Pablo hat die Ehre, mit wunderbaren Kammermusikpartnern wie Elena Bashkirova, Beatrice Rana, Kian Soltani, Emmanuel Pahud, dem Modigliani Quartett, dem Schumann Quartett und
vielen anderen zusammenzuarbeiten. Zu seinen Kammermusikeinladungen gehören Auftritte beim Rheingau Musik Festival, Classiche Form, dem Martha Argerich Festival, der Wigmore Hall
London und der Tonhalle Zürich.

In der Saison 2023/24 wird Pablo mehrere Soloauftritte mit Orchestern geben darunter gehören als Highlight seine Auftritte mit dem Franz-Liszt-Kammerorchester in Neumarkt und beim
Heidelberger Frühling mit Karl Amadeus Hartmanns Kammerkonzert unter der Leitung von Herrn Barragán selbst, mit dem Brasov Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Paul
Meyer und mit dem Bursa Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Adrian Prabava. Er ist eingeladen, die Saison für das Symphonieorchester von Córdoba unter der Leitung von Alvaro
Albiach zu eröffnen.

Als gefragter Kammermusiker wird Pablo in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie, dem Konzerthaus Dortmund und dem Concertgebouw Amsterdam sowie in Teatro Ristori di Verona, Auditorium C. Pollini in Padua und Amici della Musica in Florenz auftreten und mit einzigartigen Partnern wie dem Sitkovetsky Trio, Frank Dupree, Noa Wildschut, dem Cremona Quartett und dem Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble eine Tournee durch Südamerika geben. Weitere Einladungen führen ihn zum Kaposfest, zum Beethovenfest Bonn, zum Festival Monteleón in León, und zu Música Musika in Bilbao.

Pablos Neugier und kreativer Geist spiegeln sich auch in der Repertoireauswahl seines jüngsten Albums BOUNDLESS wider, auf dem er zusammen mit Sophie Pacini für das Musiklabel Aparté die vielfältigen Klangwelten der Klarinettensonaten von Weinberg, Bernstein, Prokofiev und Poulenc zusammenführt. Dafür ernteten sie zahlreiche positive Kritiken. Gemeinsam mit Noa Wildschut und Frank Dupree veröffentlichen sie in der Saison 24/25 eine Aufnahme mit Werken jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts, darunter Paul Schoenfield und Ernest Bloch

Seit 2020 ist Pablo Barragán als Professor an der Barenboim-Said Akademie in Sevilla und bei zahlreichen Meisterkursen wie beispielsweise in der Escuela Superior de Música Reina Sofía in
Madrid tätig. Er ist auch ein Künstler des Klarinettenherstellers Buffet Crampons und spielt ein Instrument des Modells RC Prestige.

Elena Bashkirova

„Kammermusik ist die Seele der Musik“,  hat Elena Bashkirova einmal gesagt.

Diesem Credo folgen die vielfachen Aktivitäten der Pianistin in ihren Rollen als Solistin, Liedbegleiterin, Ensemblemusikerin und Programmgestalterin. Der Geist des einfühlsamen Miteinanders bestimmt Bashkirovas Haltung als Interpretin wie Vermittlerin von Musik.

Zu den Höhepunkten der Saison 2023/24 gehören Auftritte als Solistin mit dem Transylvania State Philharmonic Orchestra in Cluj und dem Orchester der Opera de Marseille beide unter der Leitung von Lawrence Foster, dem Cantus Firmus Orchestra in Plovdiv unter der Leitung von Georgi Dimitrov und dem Sofia Philharmonic Orchestra, um nur einige zu nennen. Weitere mehrtägige Kammermusik-Residenzen sind mit dem Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble im Konzerthaus Blaibach, im Musikverein Wien, in der Frauenkirche Dresden (unter der Leitung von Daniel Hope) und in der Kölner Philharmonie geplant.

In Südamerika wird das Ensemble im April 2024 mehrere Konzerte geben. Darüber hinaus wird Elena, die auch Präsidentin des Mendelssohn-Hauses Leipzig ist, zwei Abende mit Mendelssohn Fokus im Dezember 2023, im Boulez Saal Berlin, kuratieren. Weitere künstlerische Kooperationen mit Thomas Hampson führen sie im Januar nach Israel und sie wird Solokonzerte u.a. beim Klavierfestival Ruhr und in Ludwigsburg geben.

Bashkirova entstammt einer mehrere Generationen zurückreichenden russischen Musikerdynastie. In Moskau geboren, begann sie ihr Studium im Alter von 15 Jahren in der Klasse ihres Vaters, des legendären Klavierpädagogen Dmitry Bashkirov. Zusammen mit dem Geiger Gidon Kremer, mit dem sie auch regelmäßig im Duo auftrat und mehrere Aufnahmen einspielte, verließ sie 1978 die Sowjetunion und ließ sich in Paris nieder.

Künstlerisch geprägt wurde Elena Bashkirova insbesondere durch die Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Pierre Boulez, Sergiu Celibidache oder Michael Gielen. Mit ihrem Mann Daniel Barenboim lebt sie seit 1992 in Berlin.

1998 gründete Bashkirova das Jerusalem International Chamber Music Festival, das sie als Künstlerische Leiterin seither alljährlich im September gestaltet. Das Kammermusikfest, das einige der herausragenden Solisten aus aller Welt miteinander in Austausch bringt, ist zu einer tragenden Säule des kulturellen Lebens in Israel geworden. Seit 2012 findet alljährlich im April zudem das Festival Intonations im Jüdischen Museum Berlin statt, das ebenfalls viel Beachtung erfährt.

Gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern der beiden Festivals ist Elena Bashkirova regelmäßig bei den bedeutendsten Kammermusikreihen in Europa und Übersee zu Gast. Zu den
internationalen Tourneen kommen Auftritte bei Sommerfestivals wie dem Lucerne Festival, dem Rheingau Musik Festival, dem George Enescu Festival in Bukarest oder dem Beethovenfest Bonn. Mehrere Aufnahmen dokumentieren Höhepunkte der von Bashkirova kuratierten Konzerte in wechselnden Musikerkonstellationen.

Einen zentralen Aspekt der künstlerischen Tätigkeit der Pianistin bildet das Lied. Zu den Sängerinnen und Sängern, mit denen Elena Bashkirova regelmäßig im Duo auftritt, gehören Anna Netrebko, Olga Peretyatko, Dorothea Röschmann, René Pape und Robert Holl.

Bashkirovas Einspielung der beiden Tschaikowsky-Zyklen „Die Jahreszeiten“ und „Kinderalbum“ wurde 2017 mit dem ICMA Award in der Sparte „Solo Instrument“ ausgezeichnet. Eine Aufnahme der kompletten „Poetischen Stimmungsbilder“ op. 85 von Antonín Dvořák erschien im Oktober 2020.

Elena Bashkirova trägt die Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion University of Negev. 2018 ehrte das Klavierfestival Ruhr sie mit seinem Preis. Als Nachfolgerin des Dirigenten Kurt Masur wurde Bashkirova kürzlich zur Präsidentin der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung in Leipzig ernannt.

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Wir wünschen Ihnen viel Freude beim  Konzert und kommen Sie gerne wieder!

Ihr Team des Konzerthaus Blaibach.

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